Montag, 7. März 2016

Zwei neue Rezensionen

Zwei neue Bücher von Clemens Alexander Wimmer

Der Gartenkünstler Peter Joseph Lenné: Eine Karriere am preußischen Hof 224 S. m. 24 farb. und 25 s/w Abb. Lambert Schneider 2015

Der in Potsdam lebende Gartendenkmalpfleger, Autor zahlreicher gartengeschichtlicher Werke legt zum 150. Todestag Lennés am 23. Januar 2016 eine kritische Betrachtung der Person des mit Ehrungen überhäuften Gartenkünstlers vor. Über dreißig Jahre forschte er zum Leben Lennés und hat erstmals den Nachlass lückenlos ausgewertet. Er will aufräumen mit dem Geniekult um den Star der preußischen Gärten, sieht ihn eher als charismatischen Beamten, weniger als Künstlergenie; "Die Mythifizierung als singuläres Künstlergenie ist ... nicht mehr zeitgemäß". Es geht ihm in seinen 20 Kapiteln "vorrangig um eine Annäherung an Lennes Person, seinen Charakter, seine Ziele und seine Beziehungen zu seinen Mitmenschen. Lennes Schaffen wird nur in wenigen ausgewählten Beispielen behandelt."
Wimmer schildert den Aufstieg des ehrgeizigen Hofbeamten, der sich geschickt gegen einflussreiche Konkurrenten durchsetzt und rasch die Gunst der preußischen König erobert vor dem Hintergrund der Epoche zwischen Revolution und Restauration, porträtiert Lenné als komplexen Charakter, der in einem rastlosen Arbeitseifer auch Konflikte nicht scheut.
Sehr akribisch mit vielen geschichtlichen Details und Zitaten, Fragmenten aus Briefen von und über Lenné und seine Werke belegt, zeigt er, daß Lennés Ruf vor allem auf Ehrgeiz, Selbststilisierung und Mythenbildung beruht, entlarvt er auch etliche Irrtümer, z. B. daß Lenné die Gärtnerlehranstalt gegründet oder die Bornimer Feldflur gestaltet habe.
Im Anhang des mit farbigen und schwarzweißen, vorwiegend historischen, aber auch aktuellen Abbildungen versehenen Buches gibt es zu jedem Kapitel zahlreiche Anmerkungen, außerdem ein umfangreiches Verzeichnis der "mehrfach zitierten" Literatur, ein Personen- und ein Ortsregister.

w. o. Geschichte der Gartenkultur: Von Blumisten, Kunstgärtnern, Mistbeeten und Pomologien 288 S. m. zahlr. farb. Abb. L + H Verlag 2015

Hier schildert der Autor, unterstützt von Sylvia Butenschön, Ines Hübner, Marcus Köhler, Gunilla Lissek-Wolf, Frank Singhof und Brigitee Wachsmuth diesmal die Gartengeschichte anhand der zahlreichen bibliophilen Schätze der Bücherei des Deutschen Gartenbaus e. V. in Berlin-Charlottenburg, die 2015 ihr 50jähriges Bestehen feierte. Fast alle Bereiche einer 500jährigen Gartengeschichte werden behandelt - meistens ist auf der einer Seite ein ganzseitiges Bild und auf der anderen ein verständlich geschriebener, oft mit Zitaten gespickter Text.
Einleitend wird die Frage gestellt: "Was ist Gartenkultur?". Es folgt eine kurze Übersicht über erste Gartenbücher (z. B. Hausvaterbücher). Im Kapitel "Der Gärtnerberuf" geht es u.a. um die Entwicklung des Gärtnerberufes, berühmte Gärtner (Hennebo, Hansen) und Gärtnerlehranstalten. Im Kapitel "Pflanzenleidenschaft" werden Pflanzensammler, Blumistenvereine und Gartenzeitschriften vorgestellt und es geht um "Pflanzen und Gartenkunst im Wettbewerb" - von ersten Gartenbauausstellungen bis hin zu Bundesgartenschauen.
Im dritten Kapitel sind "Berühmte Gärtnereien und ihre Kataloge" das Thema. Hier tauchen dann Namen wie Veitch & Sons, Haage & Schmidt, Späth, Lemoine, Vilmorin und Foerster auf. "Gärten und Technik" behandelt Gartenwerkzeuge, Gießkannen, Rasenmäher & Co. sowie Orangerien und Gewächshäuser. "Gartenkunst" heißt ein weiteres Kapitel, in dem u.a. Hirschfeld, Repton, Pückler-Muskau, Migge und Maaß genannt werden; im "Obstbau und Pomologie" sind es u. a. La Quinteye und Poiteau.
Den Abschluß bildet "Die Züchtung der Gartenpflanzen", wo es um einzelne Pflanzen geht - Rosen, Tulpen, Aurikeln, Nelken, Iris, Päonien, Dahlien, Phlox, Rittersporn und und ... Daß der Name des oft genannten Gartenkünstlers André Le Nôtre zum André Le Nostre wurde, ist mir aufgestoßen, auch wenn Wikipedia schreibt, daß man ihn auch so schreiben könnte.
Im Anhang kapitelweise die Quellenangaben (zum Vertiefen!) und ein Namen- und Ortsregister sowie Pflanzenregister. Ein populäres Buch zur Gartengeschichte mit prachtvollen Illustrationen für alle GartenliebhaberInnen - und da das jweilige Thema immer nur sehr kurz "angerissen" wird, ist das Buch gut als Einstieg in das Thema Gartengeschichte geeignet; doch auch "Fortgeschrittene" finden noch Unbekanntes!

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