Freitag, 6. November 2009

Friedhöfe für Spaziergänger

Friedhöfe für Spaziergänger und Reisende

Zu einem Rendezvous mit den Toten, einem Besuch der "stillen Gärten" möchte ich heute einladen.

Gewöhnlich zeigt sich der Trauermonat November mit seinen zahlreichen Tagen, an denen man der Toten gedenkt und zum Friedhof geht,  dunkel und trübe, gar schmuddelig. Doch gottlob nicht immer. Oft läßt
sich die Sonne blicken und beschert uns noch einmal einen schönen Herbsttag. Friedhöfe, für die Hinterbliebenen wichtige Orte der Trauer und der Erinnerung, sind nicht nur Bestattungsort, sondern darüber
hinaus auch Kulturstätte, öffentliche Grünanlage, oft wunderschöne Parks,  für die Anwohner öffentliche Naherholungszone, für Spaziergänger bieten sieRuhe und Besinnung. So verbinden sie die Toten mit den Lebenden.  Manche Friedhöfe haben sich zu garten- und landschaftsarchitektonischen Kleinoden entwickelt. Sie eignen sich - natürlich nicht nur im November - hervorragend zum Flanieren, zum Innehalten vom Trubel des Alltags und Berufslebens, sind es doch oft wunderschöne Parkanlagen, grüne Oasen in einer hektischen Großstadt und Open-Air-Museen mit meist morbidem Charme.

Aus diesem Grund besuche ich auf meinen Reisen stets auch gerne den Friedhof eines Ortes. Bei einem beschaulichen  Spaziergang über den Friedhof während eines Besuches einer Stadt erfährt man oft
mehr sie und ihre Bewohner als bei jeder Standrundfahrt, denn Friedhöfe sind Beispiele für  ihre Kulturgeschichte  Hier findet man die Ruhestätten von stadtbekannten und auch darüber hinaus bekannten
Persönlichkeiten, heute noch berühmt oder auch vergessen, die ihre letzte Ruhe in zum Teil außergewöhnlich gestalteten Grabstätten gefunden haben.

Nicht wenige Friedhöfe sind aufgrund ihrer Gestaltung, Geschichte, Bedeutung oder der Prominenz ihrer Bestatteten sogar zu weltweit bekannten Attraktionen geworden und ziehen Scharen von Besuchern an.

Der Parkfriedhof Lichterfelde in Berlin  entstand  zwischen 1908 – 1911, aus  einem gartenkünstlerischen Wettbewerb hervorgegangen. auf einen zunächst  8,55 ha großem Gelände mit teilweise dichtem Baumbestand nach  Plänen des Gartenarchitekten Friedrich Bauer. Die Anlage und Umsetzung  erfolgte durch den Gemeinde-Garteninspektor Paul Eschenbach.
156 Hektar Wald und Wege gehören zum Südwestkirchhof Stahnsdorf in Berlin Belegt ist die Gestaltung  von Louis Meyer  im Geiste Peter Josef Lennés. Der Südwestkirchhof soll der  der artenreichste Friedhof Deutschlands sein.
Der historische Golzheimer Friedhof ist ein ehemaliger Friedhof , der heute als öffentliche  Grünanlage genutzt wird. Die noch erhaltenen Grabsteine stehen unter  Denkmalschutz.
Der Hauptfriedhof  von Frankfurt. ist eine Oase der Ruhe und Besinnlichkeit, und zugleich  Refugium für viele Tiere, vor allem für Vögel, die hier noch in einer beeindruckenden Artenvielfalt vorkommen. Der Alte  Friedhof  in Freiburg-Herdern mit seinen vielen alten Bäumen,  seit 1955 als Naturdenkmal ausgewiesen, ist ebenfalls einen Besuch wert.
Der Melatenfriedhof  (unbedingt die Links zu wunderbaren Fotogalerien auf der Webseite verfolgen!)  ist Landschaftsschutzgebiet. Viele Pflanzenarten, stattliche alte Bäume,  über vierzig Vogel- und unzählige Insektenarten, Katzen, Eichhörnchen,  Fledermäuse leben hier - alle in friedlicher Koexistenz mit den Lebenden  und den Toten. Und so war Melaten auch geplant: als Grünanlage, Ort  der Ruhe und Besinnung.

Der Leipziger Südfriedhof ist die größte Friedhofsanlage in Leipzig  und gilt als einer der größten und schönsten Parkfriedhöfe  in Deutschland. Die Anlage wurde mit der Wegeführung in Form eines  Lindenblattes durch den Architekten Hugo Licht und den Gartendirektor Otto  Wittenberg  entworfen. Damit bezogen sich die Gestalter auf den slawischen  Ursprungsnamen Leipzigs "Der Ort, an dem die Linden stehen". Die geschwungenen  Wege, mit ihrem dichten Baumbestand wertvoller Gehölze, vom Mammutbaum
bis zur Traueresche und dem mehr als 10.000 Rhododendronbüschen prägen  den besonderen Charakter dieses Areals; die Grünflächen sind  ökologische Nischen für Pflanzen und Tiere. Unter Naturschutz  stehen die Glatthaferwiesen am Westeingang.
Der Vorwerker Friedhof  in Lübeck ist mit einer Größe von 53 Hektar der größte  Friedhof in Lübeck. Er entstand 1905 nach Plänen von Erwin Barth,  der später in Berlin der erste Professor für Gartenbaukunst an  der Gartenbaufachhochschule Dahlem wurde.
Der inzwischen aufgelassene Alte Südfriedhof in München, von Mauern umgeben, mit seinem Alter  von etwa 450 Jahren die älteste Grünfläche der Münchner  Innenstadt,  liegt etws versteckt als öffentlicher Park in der  Münchner Innenstadt. Er steht nicht nur unter Denkmalschutz, sondern  ist auch als „Landschaftsbestandteil“ geschützt: Zahlreiche Tier-  und Pflanzenarten haben hier ihr urbanes Refugium gefunden..Er ist eine  Naturoase für Spaziergänger und  weist einen teilweise sehr  alten und vielfältigen Baumbestand auf.  Die Stadt hat in den  letzten Jahren große Anstrengungen unternommen, das Gesamt-Ensemble  als kunst- und kulturhistorische Anlage für die Nachwelt zu erhalten.
Der Johannisfriedhof  ist ein weltbekannter Friedhof in Nürnberg mit historischen, künstlerisch  mit wertvollen Bronzeepitaphien gestalteten, kulturgeschichtlich bedeutsamen  liegenden (genormten) Grabsteinen und Grablegen berühmter Nürnberger  aus vier Jahrhunderten. Wegen der vielen Rosenbüsche wird er auch  Rosenfriedhof genannt.
Auch der Tübinger Friedhof, klein und übersichtlich, mit vielen Sitzgelegenheiten  und einer guten Orientierungshilfe zu den Prominentengräbern lockt  viele Besucher an.

Der Züricher Friedhof Sihlfeld, 1877 als Zentralfriedhof eröffnet, nach streng geometrischen  Grundsätzen parkähnlich angelegt und seither in mehreren Etappen  erweitet, bildet heute die grösste zusammenhängende Grünfläche  innerhalb der Stadt und ist hochrangiger Zeitzeuge in architektonischer,  künstlerischer und sozialgeschichtlicher Hinsicht.
Der  Zentralfriedhof  im Bezirk Simmering im Südosten der Stadt  Wien gehört aufgrund seiner vielen Ehrengräber, der Jugendstil-Bauwerke  und des weitläufigen Areals der Zentralfriedhof zu den besonderen
Sehenswürdigkeiten Wiens. Aufgrund seiner Größe und des  zum Teil dichten Baumbestandes beherbergt er eine vielfältige Flora  und Fauna. Eine der letzten gestalterischen Neuerungen stellt der vom Architekten
Christof Riccabona entworfene und 1999 eröffnete Park der Ruhe und  Kraft dar. Es handelt sich um einen geomantischen Landschaftspark, der  in fünf unterschiedlich gestaltete Bereiche gegliedert ist und zur  körperlichen wie geistigen Entspannung und Besinnung einladen soll.  Viele Wiener nutzen das Gebiet nicht nur am Sonntag für einen Spaziergang.  Fotos

Auf dem Père Lachaise in Paris liegen die berühmtesten Toten der Stadt: - auch diese sehr schöne parkähnliche Anlage lohnt zu jeder Jahreszeit  einen Besuch.

Der Monumentalfriedhof  Mailands wurde ab 1866 im eklektischen Stil der damaligen Zeit angelegt
und ist Friedhof, Park und Freilichtmuseum zugleich .


AusführlicheVersion mit Angabe von Prominentengräbern auf den Friedhöfen

Buchtipps zu sehenswerten Friedhöfen




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