Samstag, 7. Juni 2014

Rosenfest zur Pfingstzeit

Fest der Rosenkönigin in Ungarn zur Pfingstzeit

Seit alter Zeit bestand in vielen Ortschaften Ungarns die Sitte, um die Pfingstzeit, wo die Rosen am herrlichsten blühen, eine Dorfschöne zur Rosenkönigin zu erwählen und sie im festlichen Zuge in dem Orte umherzuführen. Allmählich war diese Sitte während der Türkenherrschaft in Vergessenheit gerathen, und erst in neuester Zeit wurden Versuche gemacht, sie von Neuem zu beleben.
Unter Anderem wußte der vor einem Jahre verstorbene ungarische Magnat Graf Guido Karácsonyi das Fest der Rosenkönigin in sinniger Weise mit einer Hochzeitsfeier zu verschmelzen. Er hat zu diesem Zwecke für die Einwohner seiner großen Besitzungen eine Stiftung von 20 000 Gulden gemacht, deren Zinsen alljährlich einer tugendhaften und armen Braut aus Vörösvár, Solmár und Szent-Iván als Heirathsgut zum Geschenke gemacht werden. Die Freude des Hochzeitstages soll nach seiner Bestimmung noch dadurch besonders erhöht werden, daß die glückliche Braut an demselben als Rosenkönigin gefeiert wird.

Sonnig, heiter ist der Tag, ein echter Festtag! Alles ist fröhlich, übermüthig gestimmt! Wie stolz und stattlich sitzt der junge Brautführer auf seinem Rappen, der den alten Gutsherrn durch Scharren zu begrüßen scheint, wie munter schaut der Bräutigam drein, wie hoch heben sich die Spitzen seines schwarzen Schnurrbartes bei dem überlauten „Eljen“, das er seiner gütigen Herrschaft zuruft! Und wie freundlich lächeln uns die schonen Freundinnen der rosengekrönten Braut an, die neben ihrem Triumphwagen schreitend Rosen streuen.
Sie haben ihre Gärtchen wohl ganz beraubt, um den Wagen ihrer Freundin so herrlich zu schmücken; sie selber haben sich nicht minder geschmückt, ihre schönste Tracht angelegt, und diese bunte Tracht ist so malerisch, daß uns daneben die modische der beiden eleganten Edeldamen nicht mehr in das Bild passen will, und wir wünschten, sie hätten sich, wie der alte Gutsherr, auch mit dem Nationalkostüm bekleidet.
Und die Braut – sie senkt ihr liebliches Köpfchen, als sei sie beschämt durch die ihr erwiesene Ehre; sie träumt wohl von vergangenen Tagen und kommenden Freuden – sie lauscht der herzbewegenden Streichmusik der Zigeuner, die wirklich Zauber ausüben können durch ihre wunderbaren Melodien.
Unmittelbar nach der Trauung wird der jungen Frau das Heirathsgut ausgezahlt und ein Festgelage, welches gleichfalls aus der Stiftungskasse bestritten wird, beschließt die Feier des Tages.

Quelle: T. S. Das Fest der Rosenkönigin aus: Die Gartenlaube, Heft 24 /1886, S. 416, 424

Ich wünsche allen schöne Pfingsttage!

Montag, 26. Mai 2014

Lanfranconi Rezension Die mit den Gummistiefeln:

Lanfranconi, Claudia Die mit den Gummistiefeln: Noch mehr Damen mit dem grünen Daumen 144 S. m ca. 120 Ill. Sandmann 2014

Hier stellt die Autorin 17 verstorbene, aber auch lebende, bekannte aber auch unbekannte passionierte "Gartengestalterinnen mit Stil", "Pflanzenjägerinnen rund um den Globus", "Pionierinnen der Blumendekoration" und "Blumenmalerinnen" (so die Unterteilung) vor. Jeweils mit Porträtfoto, Grtenplan, Adresse und prachtvollen, oft ganzseitigen bzw. sogar doppelseitigen Fotos ihrer Gärten und Pflanzen gehören dazu die in ihre Hühner verliebte Herzogin von Devonshire, die Operndiva Ganna Walska, die für ihre Palmensammlung ihren Schmuck verkaufte. Jeanne Baret, die mit dem Botaniker Bougainville als Mann verkleidet um die Welt segelte (siehe Roman Vom anderen Ende der Welt) und die wagemutige Pflanzenjägerin Amalie Dietrich wie auch Jelene de Belder gehören zu den vorgestellten Pflanzenjägerinnen.

Constance Spry, Julia Clements (der gleich drei Rosen gewidmet sind) und Valerie Finnis sind als Floristinnen vertreten, Giovanna Garzoni, Lelia Caetani Howard (Erbin von Ninfa), Vanessa Bell und Rosie Sanders (Apfelbuch) als Blumenmalerinnen.

Außerdem fanden Aufnahme die zusammenarbeitenden Gartengestalterinnen von der königlichen Gartenakademie in Berlin Gabriella Pape und Isabelle Van Groeningen sowie Sabine Freifrau von Süsskind, auf deren Schloß Dennenlohe Gartenveranstaltungen stattfinden und wo der Deutsche Gartenbuchpreis vergeben wird. (Das doppelseitige Foto von Schloß Dennenlohe ist allerdings falsch bei Julie Clements plaziert). Wie das erste Buch der Autorin (damals mit Sabine Frank) "Die Damen mit dem grünen Daumen. Berühmte Gärtnerinnen" unterhaltsam, lehrreich, inspirierend geschrieben eine Wunschlektüre für Gartenfreaks!

GartenliebhaberInnen - neue Gartenbuchliste

2004 schon porträtieren Renate Hücking und Kej Hielscher als erste in ihrem Buch "Oasen der Sehnsucht" Gartenmenschen - wobei sie speziell solche schildern, die in ihren Gärten hinter Mauern ihr Glück fanden. 2005 folgte Christine Haiden mit "Gartenmenschen - Sammler, Gestalter und Enthusiasten". 2008 schrieb dann Eva Kohlrusch mit "Besondere Frauen und ihre Gärten" das erste von Büchern speziell über gärtnernde Frauen, dem einige andere über "faszinierende Frauen, Gartenexpertinnen, Blumenfrauen oder Damen mit dem grünen Daumen" folgten.

2011 wünschte ich mir, daß es an der Zeit wäre, auch über gärtnernde Männer zu schreiben...und schon ein Jahr darauf wurde mein Wunsch erfüllt und das erste von inzwischen drei Büchern über männliche Gartenfreaks erschien: Karine von Rumohr "Männer und ihre außergewöhnlichen Gärten". 2012 schließlich folgten "Besondere Paare und ihre Gärten" (wieder von Eva Kohlrusch).

Inzwischen sind es so viele solcher Porträt-Bildbände über GartenliebhaberInnen geworden (wobei einige Namen in verschiedenen Büchern auftauchen), daß ich nach dem Erstellen der folgenden neuen Buchbesprechung jetzt eine extra Liste angelegt habe - hier klicken: GartenliebhaberInnen!

Übrigens: im September kommt ein weiterer Band für diese Liste: Ina Sperl Grüne Leidenschaften - 16 Gartenprofis ins Beet geschaut - Klickt mal hier auf Inhalt *grins*